Artemis stark in Wallern: Gold, Silber und packende Entscheidungen bei der Outdoor-ÖM
144 Pfeile, Distanzen von 30 bis 60 Metern, Mannschaftsduelle bis zum Shoot-off – und mittendrin sieben Schützinnen und Schützen aus den Artemis-Vereinen. Bei den Österreichischen Meisterschaften World Archery Outdoor am 29. und 30. August 2026 in Wallern an der Trattnach gab es aus Artemis-Sicht nicht nur Medaillen, sondern auch einige bemerkenswert deutliche Leistungen.
Wallern stand an diesem Wochenende ganz im Zeichen des Bogensports. Passend zum 40-jährigen Bestehen des Bogensports in Wallern richtete der SV-ZG Wallern gemeinsam mit Archery Austria die Österreichischen Meisterschaften Outdoor für Blankbogen, Traditional und Langbogen sowie die Altersklassen 50+ und 65+ bei Recurve und Compound aus.
Geschossen wurde eine doppelte 72-Pfeil-Runde – insgesamt also 144 Wertungspfeile –, bevor am Sonntag die Mannschafts- und Mixed-Team-Entscheidungen folgten.
Mit dabei waren sieben Aktive aus drei Artemis-Vereinen: UBSC Artemis Wien, UBSC Artemis Stockerau und Artemis BSC Union Eisenstadt. Und die Bilanz kann sich sehen lassen: Sechs der sieben Artemis-Starterinnen und -Starter erreichten im Einzel oder mit einer Mannschaft zumindest einen Podestplatz.
Kurt Brustmann lässt der Konkurrenz kaum eine Chance
Eines der stärksten Ausrufezeichen des Wochenendes setzte Kurt Brustmann vom UBSC Artemis Wien. In der Klasse Langbogen 50+ männlich übernahm er nicht irgendwann die Führung – er gab sie praktisch nie aus der Hand.
Seine vier 36-Pfeil-Durchgänge lauteten 270, 280, 270 und 266 Ringe. In jedem einzelnen Durchgang erzielte Brustmann das beste Ergebnis seiner Klasse. Nach 144 Pfeilen standen 1.086 Ringe auf der Ergebnisliste.
Robert Möbs vom BSV Lassee folgte mit 987 Ringen auf Rang zwei. Damit gewann Brustmann die Österreichische Meisterschaft mit einem Vorsprung von sage und schreibe 99 Ringen.
Das ist bei einem 144-Pfeil-Bewerb kein Zufallstreffer und keine Entscheidung durch den letzten Pfeil, sondern eine über die gesamte Distanz hinweg außergewöhnlich dominante Vorstellung.
Hinter ihm entwickelte sich dagegen ein regelrechter Krimi. Harold Brustmann, ebenfalls UBSC Artemis Wien, beendete den Bewerb mit 913 Ringen – exakt derselben Ringzahl wie der Drittplatzierte Manfred Pachler.
Ausschlaggebend für Bronze war schließlich die Feinwertung: Pachler hatte vier X gegenüber zwei X von Brustmann. Damit fehlte Harold Brustmann bei Ringgleichheit denkbar wenig zum Artemis-Doppelpodium.
Michaela Mattes gewinnt einen echten Sechs-Ringe-Krimi
Ganz anders verlief die Entscheidung bei den Blankbogen-Damen. Dort entwickelte sich über 144 Pfeile ein enger Kampf um jeden einzelnen Ring – mit Michaela Mattes vom UBSC Artemis Stockerau am Ende ganz oben.
Mattes schoss Durchgänge von 282, 284, 284 und 297 Ringen und kam auf insgesamt 1.147 Ringe. Theresa Mayr aus Tirol folgte mit 1.141 Ringen, Mercedes Menzler mit 1.120.
Gerade der letzte Durchgang hatte es in sich: Mattes steigerte sich auf 297 Ringe – ihre beste Serie des gesamten Wochenendes und zugleich das beste Ergebnis des abschließenden Durchgangs in ihrer Klasse.
Am Ende trennten Gold und Silber gerade einmal sechs Ringe.
Besonders interessant aus Artemis-Sicht: Nach den ersten beiden Durchgängen lag noch Eva Reinisch vom UBSC Artemis Wien vorne. Sie begann mit 283 und 287 Ringen und war damit in beiden ersten Durchgängen jeweils Klassenbeste.
Ein schwieriger dritter Abschnitt mit 247 Ringen kostete sie jedoch den Kampf um die Medaillen. Mit insgesamt 1.097 Ringen wurde Reinisch Vierte.
Damit zeigte gerade dieser Bewerb, wie unerbittlich eine doppelte 72-Pfeil-Runde sein kann: 144 Pfeile geben Gelegenheit, einen Rückstand aufzuholen – aber ebenso wenig Raum für eine schwächere Phase.
Michael Zinner: 167 Ringe Vorsprung – und noch lange nicht fertig
Noch deutlicher fiel die sportliche Überlegenheit von Michael Zinner vom UBSC Artemis Wien in Traditional 50+ männlich aus.
Zinner schoss 299, 297, 317 und 303 Ringe und war damit ebenfalls in allen vier Durchgängen Klassenbester. Seine Gesamtringzahl: 1.216 Ringe.
Roland Leimer kam als Zweiter auf 1.049 Ringe. Der Abstand betrug damit enorme 167 Ringe. Zinners dritter Durchgang mit 317 Ringen setzte dabei nochmals ein besonderes Ausrufezeichen.
Hier ist allerdings eine wichtige Unterscheidung notwendig: In dieser Klasse waren lediglich zwei Schützen am Start. Die Ausschreibung schreibt vor, dass ÖM-Titel und ÖM-Medaillen erst bei mindestens drei Teilnehmern in der jeweiligen Klasse vergeben werden.
Andernfalls werden Archery-Austria-Medaillen vergeben. Zinner war damit klarer Sieger seiner Klasse, darf im Einzel aber regeltechnisch nicht als Österreichischer Meister bezeichnet werden.
Seine große Stunde auf ÖM-Ebene sollte dafür wenig später im Mannschaftsbewerb kommen.
Michael Zinner holt mit Wien Mannschaftsgold
Im Traditional-Herren-Mannschaftsbewerb trat Zinner gemeinsam mit Kurt Kern und Roland Leimer für Wien an.
Bereits die Qualifikation war eine Machtdemonstration: Wien kam auf 3.358 Ringe, Oberösterreich als nächster Verfolger auf 3.070.
Das sind bemerkenswerte 288 Ringe Vorsprung in der Mannschaftsqualifikation.
Und auch im Goldfinale ließ das Wiener Team keine Zweifel aufkommen. Gegen Oberösterreich gingen die ersten drei Sätze mit 54:43, 45:39 und 51:39 an Wien.
Endstand: 6:0.
Damit holte Michael Zinner nach seinem überlegenen Einzelergebnis auch einen offiziellen österreichischen Meistertitel mit der Wiener Traditional-Mannschaft.
Artemis gegen Artemis im Blankbogen-Mixed
Noch mehr Dramatik bot der Blankbogen-Mixed-Bewerb. Und hier trafen im Halbfinale sogar zwei Mannschaften mit Artemis-Beteiligung direkt aufeinander.
Eva Reinisch qualifizierte sich gemeinsam mit Roman Weidenauer als Team Wien mit 2.257 Ringen an Position eins.
Michaela und Julian Mattes gingen für Niederösterreich mit 2.154 Ringen als Nummer vier in die Ausscheidungsrunde.
Im direkten Halbfinale setzte sich Wien mit Reinisch und Weidenauer 6:2 gegen Michaela und Julian Mattes durch. Damit stand fest: Ein Artemis-Podestplatz würde nicht reichen – es würden mindestens zwei.
Reinisch und Weidenauer kämpften anschließend im Finale gegen Tirol um Gold und mussten sich schließlich geschlagen geben. Für Eva Reinisch bedeutete das ÖM-Silber im Blankbogen Mixed.
Michaela und Julian Mattes hatten dagegen noch das kleine Finale gegen die Steiermark vor sich – und das wurde zu einem der spannendsten Artemis-Momente des Wochenendes.
Nach vier Sätzen stand es unentschieden. Ein Shoot-off musste über Bronze entscheiden.
Niederösterreich: 15 Ringe
Steiermark: 14 Ringe
Ein einziger Ring Unterschied nach einem kompletten Wochenende entschied über Bronze.
Michaela und Julian Mattes behielten die Nerven und holten die ÖM-Bronzemedaille im Blankbogen Mixed. Für Michaela bedeutete das nach ihrem Einzelgold bereits die zweite Medaille des Wochenendes.
Josef Nolz mit starker Aufholjagd zu Silber
Auch der Artemis BSC Union Eisenstadt war auf dem Podest vertreten. Josef Nolz trat bei Recurve 65+ männlich auf 60 Meter an.
Seine vier Serien zeigen eine bemerkenswerte Entwicklung: 245, 268, 271 und 277 Ringe. Nolz wurde im Verlauf des Turniers also kontinuierlich stärker und schloss mit seinem besten Durchgang ab.
Mit insgesamt 1.061 Ringen gewann er Silber hinter Hermann Haberl vom gastgebenden SV Wallern.
Nach hinten war die Medaille dagegen ausgesprochen deutlich abgesichert: Bronze ging mit 965 Ringen an Ðula Sabo – Nolz hatte somit 96 Ringe Vorsprung auf Rang drei.
Julian Mattes: Im Einzel Elfter, im Team auf dem Podest
Julian Mattes erreichte im mit 15 Schützen stark besetzten Blankbogen-Herrenbewerb mit 1.007 Ringen den elften Platz. Der Bewerb wurde von Johann Maier mit starken 1.246 Ringen gewonnen.
Doch Mattes zeigte am Nachmittag, warum ein Turnier nicht nach der Einzelwertung vorbei ist. Gemeinsam mit Michaela Mattes kämpfte er sich im Mixed-Team bis zum kleinen Finale und holte dort im bereits erwähnten Shoot-off die Bronzemedaille für Niederösterreich.
Aus Rang elf im Einzel wurde so am Ende doch noch ein Platz auf dem ÖM-Podest.
Die Artemis-Stockerliste von Wallern
| Platz | Schützin / Schütze | Bewerb | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| 🥇 Gold / ÖM-Titel | Kurt Brustmann – Artemis Wien | Langbogen 50+ männlich | 1.086 Ringe |
| 🥇 Gold / ÖM-Titel | Michaela Mattes – Artemis Stockerau | Blankbogen Damen | 1.147 Ringe |
| 🥈 Silber / ÖM | Josef Nolz – Artemis Eisenstadt | Recurve 65+ männlich | 1.061 Ringe |
| 🥇 1. Platz* | Michael Zinner – Artemis Wien | Traditional 50+ männlich | 1.216 Ringe |
| 🥇 Team-Gold / ÖM-Titel | Michael Zinner mit Kurt Kern & Roland Leimer | Traditional Herren Team Wien | Finale 6:0 |
| 🥈 Team-Silber / ÖM | Eva Reinisch mit Roman Weidenauer | Blankbogen Mixed Wien | 2. Platz |
| 🥉 Team-Bronze / ÖM | Michaela & Julian Mattes | Blankbogen Mixed Niederösterreich | Shoot-off 15:14 |
* Michael Zinner gewann Traditional 50+ männlich mit 167 Ringen Vorsprung. Da jedoch nur zwei Teilnehmer in dieser Klasse starteten, wurde laut Ausschreibung kein österreichischer Meistertitel vergeben, sondern eine Archery-Austria-Medaille.
Zwei Tage, die aus Artemis-Sicht in Erinnerung bleiben
Die nackte Medaillenbilanz erzählt dabei nur einen Teil der Geschichte.
Da war ein Kurt Brustmann, der über alle vier Durchgänge hinweg die Nummer eins seiner Klasse blieb und schließlich 99 Ringe zwischen sich und die Konkurrenz legte.
Ein Michael Zinner, der dasselbe Kunststück vollbrachte und sogar 167 Ringe Vorsprung herausschoss.
Eine Michaela Mattes, die einen engen Kampf um Gold mit einem starken letzten Durchgang für sich entschied.
Ein Josef Nolz, der sich von Serie zu Serie steigerte.
Und schließlich ein Mixed-Bronzefinale, bei dem nach zwei Tagen Bogensport tatsächlich ein einziger Ring im Shoot-off den Unterschied machte.
Auch organisatorisch zeigte sich Wallern als würdiger Austragungsort dieser Österreichischen Meisterschaften. Der SV-ZG Wallern, das Schiedsrichterteam sowie zahlreiche Helferinnen und Helfer sorgten für die Durchführung eines intensiven Turnierwochenendes.
Artemis gratuliert allen gestarteten Schützinnen und Schützen sehr herzlich zu ihren Leistungen – zu den Medaillen ebenso wie zu jenen Ergebnissen, bei denen am Ende nur wenige Ringe oder sogar die Feinwertung zum Podest gefehlt haben.
Ein großes Dankeschön geht zugleich an den SV-ZG Wallern, an Organisationsleitung, Schiedsrichter, Schießleitung und die vielen Helferinnen und Helfer, die diese Österreichischen Meisterschaften im Jubiläumsjahr „40 Jahre Bogensport Wallern“ möglich gemacht haben.
Zwei intensive Turniertage, 144 Pfeile im Einzel, spannende Teamduelle und Entscheidungen bis zum letzten Schuss: So darf sich österreichischer Bogensport präsentieren.
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